Mitteilungshefte: Politik macht Druck

Für Mares Rossmann ist es „eine skurille Hetze gegen den Bildungsreferenten“. Grund für die Kritik an Uwe Scheuch sind die Mitteilungshefte für minderjährige Volkschüler Kärntens, aus denen der Politiker grinst lacht.

Rund 21.000 Volksschüler des Landes werden in diesen Tagen mit Politiker-Reklame in Mitteilungsheften „zwangsbeglückt“. Dass Rossmann die Kosten für die Aktion – 4000 Euro zahlt das Land zu der von Mini-Max organisierten Werbeaktion – in den Vordergrund stellt, ist kein Wunder. Soll doch niemand auf die Idee kommen, daran inhaltliche Kritik zu üben.

Weitere Sponsoren sind übrigens Nestlé (mit Schöller und Smarties), die Landwirtschaftskammer mit Erlebnis Alm und Schule am Bauernhof sowie der Postbus mit seiner Kinder-Website www.timitaurus.at.

Dass jetzt die Medien etwas aufgeschreckt sind (sogar Die Presse berichtet im fernen Wien), verwundert mich dennoch. Denn: Die bloße Tatsache ist nicht neu – schon im April habe ich hier über diese Sache (eigentlich eine Schweinerei) berichtet.

Und Scheuchs Werbefeldzug um die Gunst der Kleinsten ist auch nicht neu. In der Kinderzeitschrift Mini-Max des Krumpendorfer Verlags inseriert der Bildungsreferent nicht zum ersten Mal – zuletzt in der Ausgabe 37 – vom Juli 2010 auf Seite 26  und 27.

Und auch davor fehlte in keiner der letzten Ausgaben Scheuchs Politreklame. Das nächste Heft erscheint am 28. September – und wetten, dass es darin auch wieder Polit-Inserate geben wird? Unseren Politikern ist nichts zu schade, selbst Schulkinder sind ihnen scheinbar wehrlos ausgesetzt.

Politischer Druck zur Verteilung

Wie die 22.000 Expemplare Zeitschrift Mini-Max verteilt werden, ist nicht bekannt. Bei den Mitteilungsheften soll es mitunter auch sanften politischen Druck geben, dass die unters kleine Volk gebracht werden.

Heute Abend hat sich aber eine k2020-Leserin bei mir gemeldet und ich durfte ein längeres Gespräch mit ihr führen. Hier eine grobe Zusammenfassung in Dialogform:

Ich: Sie sind also Lehrerin und haben die Mitteilungshefte verteilt.

Sie: Ja, ich musste.

Ich: Wie? Sie mussten? Es wird doch niemand dazu gezwungen. Und ein neutrales Heft unter die Schüler zu bringen, schadet auch nicht.

Sie: In meiner letzten Schule haben wir das auch so gemacht. Da hatten wir einen roten Direktor, der eh in Pension ging. Das war aber noch unter Haider.

Ich: Und an Ihrer neuen Schule?

Sie: Dem Direktor ist das egal. Sowas nicht zu verteilen, das traut er sich scheinbar nicht.

Ich: Wie? Er traut sich nicht?

Sie: Die Landesschulinspektoren sollen kontrollieren, ob wohl alle Mitteilungshefte verteilt wurden.

Ich: Wie?

Sie: Ja, richtig gehört. Das wird kontrolliert.

Ich: Wieso regen sich da nicht mehr Lehrer auf?

Sie: Vielen ist es egal und viele haben Angst. Viele Verträge laufen bewusst nicht lange.

Die Lehrerin klang für mich glaubwürdig, aus verständlichen Gründen will sie anonym bleiben. Auch das Profil berichtet in seiner letzten Ausgabe von solchen Kontrollen in Kärnten.

Meine Spende für eine Politik-freie Klasse

Was auch durchklang: Schulen tun sich immer schwerer mit dem Geld. Privat Mitteilungshefte zu kaufen, soll auch nicht sein. Daher mein Angebot: Der erste Lehrer bzw. die erste Lehrerin, die Politik-freie Mitteilungshefte haben will, bekommt diese von mir auch. Ein E-Mail reicht email@k2020.at. Die Idee dafür ist nicht von mir und wie ich heute der Diskussion auf Facebook entnommen habe – gäbe es auch noch andere Spender. Ich leite Anfragen gerne weiter.

Zur Verländerung von Schulen

Durch die ganze Sache wird einmal mehr deutlich, dass die Verländerung der Schulen nicht den Zweck einer Qualitätsverbesserung hat und erst gar nicht im Interesse von Kindern und Lehrern sein kann. Eine sehr gute Analyse dazu findet sich übrigens im aktuellen Profil: Bildung: Österreichs Schul wesen ist im Würgegriff der Parteien von Martina Lettner.

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