OpenData: „Erst Schritte bis Anfang Juni“

So schnell kann’s gehen: Am Dienstag wurde er angelobt, heute stand der Interviewtermin mit Landeshauptmann Peter Kaiser.

Es war übrigens auch die erste Stunde Kaisers in seinem neuen Büro.

Interview LH Peter Kaiser

Auf k2020 wird es weitere Interviews mit den Mitgliedern der Landesregierung geben – ich möchte sie vor allem zu Transparenz in ihren Ressorts und OpenData befragen. Alle – von Kaiser über Holub, Waldner, Schaunig-Kanduth, Brettner bis hin zu Ragger und Köfer. Doch das wird noch dauern.

Je später die Interviews, umso besser, weil die Inhalte dann schon konkreter werden. Derzeit wird in vielen Bereichen erst geprüft, was machbar ist. Den Startschuss zur Serie markiert Landeshauptmann Kaiser (SPÖ), den ich vor allem zu den Ankündigungen in der Regierungserklärung befragte.

In der Regierungserklärung kommt gleich am Anfang OpenGovernment vor. Wann schätzen Sie, werden die ersten Daten zugänglich sein werden?
PETER KAISER: Die Erwartungen müssen realistisch sein. Gerade gestern im Koalitionsausschuss wurde besprochen, dass wir nun erstmals die Tagesordnung der Regierungssitzung vorab öffentlich machen. Diese kann nun öffentlich diskutiert werden (im Netz ist sie noch nicht zu finden, Anm.).

Sie haben auch angekündigt, die Regierungssitzungen selbst transparenter zu machen. Werden auch die Beschlüsse öffentlich gemacht?
KAISER: Ja, nach der Sitzung wird ein Protokoll über Beschlüsse und Mehrheitsverhältnisse öffentlich gemacht. Das war bislang nur intern der Fall. Der Landespressedienst wird das dann auch online stellen. Wir werden aber darauf achten müssen, keine personenbezogenen oder vertrauliche Daten zu veröffentlichen.

Zum Transparenzgesetz: Wann können wir mit einem aufgebohrten K-ISG und erweiterten Auskunftsrechten von Bürgern rechnen?
KAISER: Wir müssen uns das noch in einigen Details näher anschauen. Es soll vor allem den Finanzfluss des Landes Kärnten, insbesondere bei Förderungen und Zuwendungen von Steuer-Euros, nachvollziehbar machen. Wie weit wir hier gehen werden, ist noch nicht ganz ausgelotet.
Es gibt bereits jetzt Förderberichte wie jenen bei der Wirtschaftsförderung, die zumindest einer begrenzten Öffentlichkeit (Anm.: z.B. Landtagsabgeordnete) zugänglich sind. Ich möchte, dass wir im Sinne einer Transparenzdatenbank alle Förderungen öffentlich machen.

Premiere: LH Peter Kaiser im k2020-Interview

So wie in der Steiermark, wo bei der Wirtschaftsförderung alles bis auf den Cent online ist?
KAISER: Ich möchte es nicht auf die Wirtschaftsförderung beschränkt sehen. Auch die Landwirtschaft ist dabei ein wichtiger Bereich, der immer sehr mystifiziert wird. Es gibt aber Bereiche, wo ich mir noch keine endgültige Meinung gebildet habe und mir noch nicht sicher bin. Wie ist das mit Sozialzuwendungen? Dort, wo die Gefahr einer Stigmatisierung besteht, sollte man das lieber überdenken. Oder man könnte hier etwa die Summen, nicht aber die Empfänger auflisten.

Kurz zurück zum Thema OpenData. Schon Landeshauptmann Dörfler kündigte ein Datenportal etwa für Umweltdaten an. Am 8. und 9. Juni beschäftigen sich an der Uni Klagenfurt im Rahmen des CreateCamps Informatiker mit OpenData. Werden sie noch mit Wiener Daten in den Sandkasten steigen oder schon mit Kärntner Daten?
KAISER: Ich wage nicht zu sagen, wie schnell das gehen wird. Ich weiß, dass Rolf Holub, der für diesen Bereich zuständig ist, sicherlich sehr schnell tätig werden wird. Es wird nicht alleine von unserem politischen Wollen abhängig sein. Es bedarf auch der nötigen Infrastruktur. Bis Anfang Juni sollte es bestimmt erste Schritte in diese Richtung geben.

Im Bund gibt es aufgrund des Drucks der Initiative transparenzgesetz.at einen ersten Entwurf für ein solches Gesetz. Die Vorstellungen  der Staatssekretäre Ostermayer und Kurz wird allerdings auch kritisiert, weil es zu viele Ausnahmen gibt. Halten Sie es möglich, dass Kärnten transparenter sein wird als der Bund?
KAISER: Am liebsten wäre es mir, wenn das vom Bund abwärts bis zu den Gemeinden alles vereinheitlicht wird und man nicht je nach Ebene unterscheiden muss.

Mit weniger oder mehr Ausnahmen?
KAISER: Die Regel soll Menschen lenken. Je weniger Ausnahmen es gibt, umso besser wurde die Regel aufgestellt.

Premiere: LH Peter Kaiser im k2020-Interview

Wäre es für Sie vorstellbar, Verträge, die das Land mit Firmen abschließt, zu veröffentlichen?
KAISER: Diese juristische Insider-Kenntnis habe ich im Moment nicht und ich traue sie nur Schaunig und Waldner zu. Wir werden das prüfen. Ich will aber nicht mit einer gut gemeinten Regelung in andere Bereiche verletzend eingreifen. Bei Verträgen sollte im Normalfall nichts dagegen sprechen, die Sache ist aber mitunter sehr komplex. Ich hatte erst heute wieder ein Gespräch über einen Vertrag. Da ging es darum, ob das Mozartheim ein Studentenheim bleiben soll oder nicht. Da gibt es sehr viele Verträge, die man alle kennen muss, um den einen richtig lesen und verstehen zu können. Das fängt sehr schnell an, komplex zu werden. Deshalb zögere ich hier mit der Antwort etwas.

Es gilt noch immer der Proporz – daher eine Frage zum Landtag: Was wünschen Sie sich von „Ihren SP-Abgeordneten“? Dass diese Ihnen ordentlich auf die Finger schauen oder dass Gesetze leichter durchgehen?
KAISER: Das eine schließt das andere nicht aus. In den Koalitionsverhandlungen bin ich bei der Abschaffung des Proporzes auf die Bremse gestiegen, weil viele Details gut überlegt sein sollten.
Ein Beispiel ist die Frage, wie künftig die Regierungsbildung funktionieren soll. Wer soll einer Partei den Auftrag dazu erteilen? Wer lädt ein? Diese Institution gibt es derzeit noch gar nicht und man braucht jede Menge Übergangsbestimmungen. Wir müssen auch die Kontrollrechte der Opposition im Landtag stärken sowie Sanktionsmöglichkeiten schaffen.
Es gibt also viel Regelungsbedarf und so ist der Zeitplan bis 2014 ohnehin ein ehrgeiziger.
Es geht bei den geplanten Verfassungsänderungen auch um mehr als die Abschaffung des Proporzes. Etwa soll künftig verhindert werden, dass es monokratische Entscheidungen bei Veräußerung oder auch Anschaffung von Landesvermögen gibt. Hier sollte sich künftig der Landtag zwingend damit beschäftigen.

Ich habe Ihnen auch etwas mitgebracht – quasi ein symbolisches Einstandsgeschenk. Hat Ihr Dienstwagen diesen Aufkleber?
KAISER: Ich glaube nicht. Ich habe ihn jedenfalls noch nicht gesehen.

Premiere: LH Peter Kaiser im neuen Büro

In der Straßenverkehrsordnung steht, dass ein solcher Aufkleber auf jedem öffentlichen Dienstfahrzeug zu kleben hat. Auch Kleinigkeiten sorgen für mehr Transparenz weil daraus hervorgeht, wer dafür bezahlt hat. Werden Sie ihn aufkleben?
KAISER: Da habe ich etwas dazugelernt und werde sofort veranlassen, dass das geprüft wird. Vielleicht hängt es bei den Dienstwägen der Politiker damit zusammen, dass ich 675 Euro im Monat bezahle, um das Auto – sollte ich einmal Zeit haben – auch privat nutzen zu dürfen.

Sie sind ja für den gesamten Fuhrpark zuständig. Werden die Autos Ihrer Regierungskollegen auch bald so ein Pickerl tragen?
KAISER: Es wird rechtlich geprüft und wenn das so ist, wird das vollzogen. Ich sage Danke für den Hinweis.

Danke für das Gespräch und die Zeit.

Umzugskartons im Büro des neuen Landeshauptmannes

Das Interview wird es hier auch zum Nachhören geben. SoundCloud hat gerade Probleme, das Audiofile wird nachgeliefert.
Die Fotos gibt’s in einem Flickr-Set auch in voller Auflösung.

5 | Es sind UNSERE Inhalte

Dieses Posting erschien bereits vor über zwei Jahren. Ich möchte die Thematik für die Serie Nach der Wahl aktualisieren und somit erneut in Erinnerung rufen.

Public Domain LogoFrage: Wer bezahlt die vielen Beamten oder Agenturen, die im Auftrag der öffentlichen Hand Fotos schießen, Broschüren erstellen, Websites befüllen?
Antwort: Wir!

Nur: Uns wird die Verwendung verboten! Praktisch alle Websites von Gemeinden, Bundesländern und dem Bund stehen unter striktem Copyright.

Das bedeutet: Uns wird die Verwendung von Texten, Fotos und Abbildungen verboten.

Im Klartext: Wir bezahlen dafür, dass gleich mehrere Fotografen Spitzenpolitikern hinterherlaufen. Nur die Bilder dürfen wir nicht verwenden? Ich mach es hier einmal und breche (in diesem Falle bewusst) das Copyright.

Im gegenständlichen Fall wird das Copyright um einen Passus erweitert – dem Nutzer wird gestattet, das Foto bei der Berichterstattung über eine spezielle Presseaussendung zu verwenden.
Sprich: Schreib schön und brav über mich und du darfst mich auch abbilden. Wo kommen wir da eigentlich hin?

Falsches Verständnis

Abgesehen davon, dass niemand wirklich massenweise Dörfler-Fotos online stellen würde … wo kommen wir da hin, wenn der Bezahler nicht über die von ihm bezahlten Werke verfügen darf?

Ganz generell zeigt dies drei Dinge:

  • Es gibt bei unseren Politikern ein falsches Verständnis von „Dein“ und „Mein“.
  • Es gab vermutlich auch ein fehlendes Wissen über Alternativen.

Freiheit für öffentliche Inhalte

Gemessen wurde bisher freilich mit zweierlei Maß: Die Partei des „Landeshauptmannes der Herzen“ durfte die LPD-Fotos freilich (vermutlich auch ohne Entgelt) für Ihre Kärntner Nachrichten nutzen. Allen anderen war dies laut Bestimmungen des Landespressedienstes (LPD) nicht erlaubt.

Kärntner Nachrichten, Ausgabe 9, 59. Jahrgang

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass eine neue und offenere Landesregierung sämtliche Inhalte (Fotos, Artikel, Broschüren, Grafikdesigns, Bücher und ähnliche Publikationen) der Allgemeinheit unter einer möglichst freien Lizenz zur freien Nutzung zur Verfügung stellt. Schließlich wurde deren Erstellung ja auch von der Allgemeinheit bezahlt und es sollte nicht im Sinne einer Regierung sein, mit Inhalten Geld zu verdienen. Eine solche Lizenzzierung wäre natürlich auch nachträglich für bereits erstellte Werke möglich.

Im Folgenden möchte ich einige Lizenzarten näher beschreiben.

Lizenzarten

Um Inhalte jeglicher Art zu lizenzieren, gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Umfassendes Nutzungsverbot:
    Das Copyright regelt eindeutig, dass nur einer für ein Werk verfügen darf. In dem obigen Fall, behauptet das Land Kärnten dass es der alleinige Eigentümer des Werkes ist. „Behauptet“, weil ich mir sicher bin, dass das Land jeden Urheberrechtsprozess verlieren würde.

Copyright

  • Teilweise Erlaubnis:
    Das Grundprinzip von Creative Commons-Lizenzen (CC) ist, dass der Urheber automatisch einige Nutzungen erlaubt. So kann ein Hobbyfotograf auf Flickr auswählen, dass jeder seine Fotos verwenden darf, solange der Dritte den Namen des Fotografen nennt.

Creative Commons

  • Urheber-Nennung:
    CC ist relativ jung. Weil es aber immer schon eine Notwendigkeit von Staaten gab, ohne Copyright zu publizieren, wurde etwa in Großbritannien die Open Government Licence entworfen. Sie erlaubt umfassende Nutzung allerdings unter der Auflage der Nennung des Urhebers.

UK Open Government Licence

  • Öffentliches Eigentum/Gemeinfreiheit:
    Werke, die unter die im genannten „Public Domain“ stehen, dürfen weltweit frei und ohne Einschränkungen wiederverwendet werden. Alle Dokumente von US-Ministerien- oder -Einrichtungen (so auch der Nasa) unterliegen dem Public Domain.

Public Domain

Welche der drei Lizenzarten für Bund, Länder und Gemeinden die wohl beste ist, ergibt sich praktisch schon aus dem Namen: Public Domain. Wir sollten umfassend über unser Eigentum (wir haben dafür bezahlt) verfügen dürfen. Allerdings kann man auch über Open Government Licenses reden, schließlich sollten auch der Fotograf oder die Institution ein Recht auf Namensnennung haben.

4 | Keine Aktenvernichtungen mehr …

… es sei denn, die Akten wurden zuvor digitalisiert!

Für Gerüchte und wilde Spekulationen sorgte nicht nur heute eine Firma oder vielmehr ein Lastwagen. Üblicherweise holt ein Lastwagen von Reisswolf einmal pro Woche Akten der Landesregierung ab, die zur Vernichtung bestimmt sind. Dies ist ganz und gar normal. In der Woche nach der Landtagswahl wurde so ein Lastwagen gleich dreimal gesichtet: einmal am Mittwoch, zweimal am Freitag.

Lastwagen Firma Reisswolf

Die Häufigkeit verwundert und bringt mich zum nächsten Punkt meiner Serie über die Zeit nach der Wahl. Frage: Müssen Akten überhaupt gänzlich vernichtet werden?

Aufheben, bewahren & aufarbeiten!

In den USA gibt es ein Gesetz, dass dies zumindest für Spitzenpolitiker verbietet. Wikipedia über den Presidential Records Act:

Das US-amerikanische Gesetz Presidential Records Act (PRA) stammt aus dem Jahr 1978 und schreibt dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten vor, dass jede Korrespondenz archiviert und für die Nachwelt aufgehoben werden muss. Darunter fällt auch die private Korrespondenz.

Auch im Amt der Kärntner Landesregierung wird Geschichte geschrieben. Meist kleine, manchmal größere. Die Aufzeichnungen oder der Schriftwechsel von Politikern sind demnach auch historische Dokumente. Welcher Historiker würde nicht gerne die Kommunikation zwischen Gerhard Dörfler und Josef Ostermayer in der Ortstafelfrage studieren?

Diese Unterlagen (Rechnungen, Angebote, Verträge, Regierungsprotokolle, Aktenvermerke, Briefe, E-Mails, ja sogar SMS-Nachrichten, Tweets oder Facebook-Postings) gehören archiviert und dem Landesarchiv übergeben. Klarerweise müsste dies nicht in Echtzeit öffentlich gemacht werden. Aber nach einer Zeit spricht nichts dagegen, dass die Nachwelt einen detailreichen Blick auf die Amtsperiode einzelner Spitzenpolitiker werfen darf.

Nicht mehr per Gmail & Co. mauscheln!

Um von Anfang an zu verhindern, dass irgendetwas archiviert wird, werden offizielle Kommunikationswege gleich ganz umgangen. So hört man immer wieder, dass heikle Materien in Regierungsbüros der Landesregierung mittels privater Mailaccounts abgehandelt werden.

Der Grund dafür ist perfide: Private Accounts bei Gmail, Hotmail & Co. einzelner Mitarbeiter sind außerhalb der Reichweite von Justiz oder Kontrollgremien. Für deren Entsorgung braucht man nicht einmal den Reisswolf rufen. So etwas muss aufhören!

Frage für die Kommentare: Welche Akten müssten tatsächlich vernichtet und dürften nie mehr zugänglich gemacht werden?

3 | Kleine äußere Zeichen (updated)

Es sind nicht immer die großen Dinge, die weniger Selbstherrlichkeit und mehr Demut vor dem Steuerzahler zeigen. Manchmal können es so banale Dinge wie ein Pickerl mit der Aufschrift „Dienstkraftwagen“ sein.

Wer fährt schon gerne mit protzigen repräsenativen Firmenautos durch das Land, bei dem ein jeder Bürger sofort weiß, dass er dafür bezahlt hat.

Hier geht es in keinster Weise um Neid! Im Gegenteil: Spitzenpolitiker sind Tag für Tag unterwegs und spulen wohl Hunderttausende Kilometer pro Jahr herunter. Da soll ein komfortables und vor allem sicheres Auto kein Problem darstellen. Aber: Es muss gezeigt werden, wer dafür bezahlt.

Bislang war es üblich, dass die vielen kleinen Dienstfahrzeuge der Landesregierung das Pickerl „Dienstkraftwagen“ tragen, jene der Regierungspolitiker aber nicht.

Pickerl Dienstkraftwagen

Vielleicht meinten einige, dass dies „uncool“ wäre oder es gar nicht nötig sei. Einerseits weil nicht das Land direkt sondern eventuell der Bund oder eine Leasingfirma der Eigentümer ist.

Richtig ist das allerdings nicht. So verpflichtet die Straßenverkehrsordnung in §103 (6) zu dieser Kennzeichnung.

(6) Bei Personenkraftwagen im Besitz des Bundes, der Länder, der Gemeindesverbände, der Ortsgemeinden und der von diesen Gebietskörperschaften unter ihrer Haftung betriebenen Unternehmungen muß hinten am Fahrzeug vollständig sichtbar und dauernd gut lesbar und unverwischbar auf einem Hintergrund in den Farben der Republik Österreich im weißen Mittelfeld das Wort “Dienstkraftwagen” angeschrieben sein; dies gilt jedoch nicht für Fahrzeuge,
a) die ein Deckkennzeichen gemäß § 48 Abs. 1 lit. b führen,
b) deren Kennzeichen gemäß § 48 Abs. 4 fünfter Satz die Bezeichnung des sachlichen Bereiches enthalten oder
c) die zur Durchführung von Kontrollen oder Überwachungen verwendet werden.
Update: Diese Verpflichtung gilt nicht für hohe Politiker. In § 103 der StVO gilt eine Ausnahme für Fahrzeuge mit „Deckkennzeichen“ (§ 48 Abs. 1 lit. b). So soll vermieden werden, dass es Anschläge gegen solche Autos gibt.

2 | Transparente Wartelisten

Korruption beginnt im Kleinen und wird allzu oft nicht als solche wahrgenommen. Kennt man den einen oder anderen Politiker, geht eben einfach vieles leichter. Die Leidtragenden sind die Ehrlichen, die Hilfe meist auch noch dringender brauchen.

Ich erinnere mich noch ganz gut an eine Unterhaltung vor etwa einem halben Jahr.

Sie: Die Korruption in diesem Land ist echt ein Wahnsinn. Übrigens: Ich habe endlich eine neue Wohnung.
Ich: Gratuliere! Wie hast du sie bekommen.
Sie: Ich kenn‘ da wen im Magistrat.
Ich: Aha.

RFW ZahlungserinnerungMitarbeiter des Landeshauptmannes – so hört man – hätten in der Vergangenheit bei Auftritten des Chefs notiert, wer für den Sohn, die Tochter oder den Neffen einen Job oder eine Lehrstelle sucht. Kennt man einen Politiker, ist beim Sponsoring für den einen oder anderen Verein mehr zu holen. Wer für sich oder Angehörige eine geförderte Wohnung sucht, konnte diese mit einem Schub an Vitamin B(eziehungen) schneller beziehen. Wer einen Termin bei einem Politiker brauchte, dem wird bei guten Kontakten schneller geholfen.

Der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender hat im Herbst 2012 ganz ungeniert damit geworben, dass das Bezahlen des Mitgliedsbeitrags bei möglichen Landesförderungen nicht schaden würde.

Politiker helfen gerne. Einerseits ist es ohnehin nicht ihr Geld. Andererseits erhoffen sie sich Dankbarkeit bei der nächsten Wahl.

Damit muss Schluss sein!
Etwas das untrennbar zu Transparenz gehört, sind faire und offene Wartelisten.

Was beispiels bei Organspenden derzeit schon verpflichtend ist, müsste für alle Bereiche gelten, in denen öffentliche Güter verteilt werden: transparente Wartelisten, die zumindest von allen Betroffenen einsehbar sind. Es muss gewährleistet sein, dass Vorreihungen höchstens aus guten und vor allem dokumentierten Gründen möglich sind.

Transparente Wartelisten sollte es aus Fairnessgründen für alle öffentlichen Güter geben. Beispiele wären:

  • Geförderte Wohnungen von Wohnbaugenossenschaften
  • Plätze in Studierendenheimen, für die Länder oder Gemeinden ein Einweisungsrecht haben
  • Termine bei Politikern: Auch deren Zeit ist ein vom Steuerzahler bezahltes und öffentliches Gut. Daher sollten ihre Dienstkalender öffentlich sein.
  • Fördergelder, so diese nach einer Reihenfolge vergeben werden (z.B. Solarenergie)
  • Jobs im öffentlichen Bereich, so diese nach einer Reihenfolge vergeben werden

Auch wenn es in Ansätzen solche Wartelisten geben sollte, den verbreiteten Nepotismus haben sie bislang nicht verhindern können. Auch muss allen bewusst sein, dass hier ein Spagat gemacht werden muss, denn solche Wartelisten sind auch ein Eingriff in die Privatsphäre von Bürgern. Hier gilt es, abzuwägen, was im Einzelfall mehr Gewicht haben soll: Privatsphäre oder Verteilungsgerechtigkeit?

Welche möglichen Wartelisten fallen euch noch ein? Platz für eure Meinung und eure Vorschläge dazu gibt es in den Kommentaren.

1 | Kärnten nach der Wahl

Die Landtagswahl ist geschlagen und das Ergebnis war großartig! Mit den aktuell (noch) regierenden Freiheitlichen war in Sachen Transparenz im wahrsten Sinne des Wortes kein Staat zu machen.

Aber auch gesellschaftlich wird sich enorm viel tun. Die Kärntnerinnen und Kärntner haben hohes Demokratieverständnis bewiesen: Noch nie wurde in Österreich eine regierende und von Skandalen gebeutelte Partei so massiv abgewählt.

Und schlussendlich muss man sich als Kärntnerin oder Kärntner im Rest Österreichs nicht mehr für seine Politiker schämen. Das tut gut. Wirklich gut.

Wahlversprechen (c) Martin SteinthalerEs scheint, als wäre das Bewusstsein für mehr Bürgerbeteiligung und einen höheren Grad an Transparenz bei allen drei wahrscheinlichen Koalitionsparteien (SPÖ, ÖVP und Grünen) derzeit stark ausgeprägt. Zumindest versprachen dies SP-Chef Peter Kaiser und Rolf Holub, Spitzenkandidat der Grünen, mehrmals im Wahlkampf. Auch vom alten und neuen VP-Landesrat Wolfgang Waldner darf man erwarten, dass nicht gemauert, sondern zunehmend transparent gearbeitet wird.

Gemeinsam haben sie die Zweidrittelmehrheit, die für Verfassungsänderungen nötig ist. Sie können viel bewegen, wenn sie an einem Strang ziehen. Die überfällige Abschaffung des extrem teuren Proporzes – ich habe sie einmal als Wurzel allen Übels bezeichnet – dürfte schon in einer der ersten Landtagssitzungen beschlossen werden.

Die Zivilgesellschaft ist hellwach

Neben einer Reihe von Skandalen und jeder Menge anderer blauer Fehler war es vor allem eine erstarkte Zivilgesellschaft, welche die Freiheitlichen aus dem Land jagte. Diese Zivilgesellschaft beschäftigte sich in den letzten Jahren intensiv mit der Politik, beobachtete diese und mahnt aus gutem Grund mehr Transparenz ein.

Peter Kaiser, Rolf Holub und Wolfgang Waldner scheinen zwar aktuell „Everybody’s Darling“ zu sein. Es wird aber sehr genau darauf geschaut, ob sie ihre Versprechen einhalten und die Landesregierung tatsächlich öffnen.

Was ist Transparenz überhaupt?

Versprechen lässt sich Transparenz sehr leicht. Sie einzuführen und tatsächlich zu leben, ist nicht nur mühsam, sondern kann mitunter teuer sein. Doch jeder investierte Euro, der die Geheimniskrämerei beendet, ist ein gut investierter Euro!

In der losen Serie „Nach der Wahl“ möchte ich in den nächsten Wochen eine Reihe von Beispielen nennen, die Transparenz „angreifbar“ machen. Dabei wird es unter anderem um folgende Themen gehen:

  • OpenData und den enormen Wert öffentlicher Daten.
  • Creative Commons und warum Inhalte der Regierung uns allen gehören.
  • Was öffentlich sein muss und was geheim bleiben muss, um die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger zu schützen.
  • Wie man Nepotismus vorbeugen kann – etwa bei der Vergabe geförderter Wohnungen.
  • Wie sichtbar wird, wer was bezahlt hat.
  • Wie weit die Öffnung von Verträgen gehen kann und muss.
  • Dass das Land nicht mehr durch das Corporate Design einer (egal welcher) Partei dominiert werden darf.
  • Wie man Gewaltenteilung zwischen Regierung und Landtag besser leben könnte.
  • Wie Bestechung schon früh erstickt werden könnte.

Ich erinnere mich gerade an ein Gespräch mit Peter Kaiser im Herbst 2012. Der Grundkonsens all jener, die dabei waren war in etwa:

Wir hätten Sie gerne als Landeshauptmann. Aber danach lassen wir auch nicht locker und vergessen nicht, warum wir so verärgert sind.

Die Zivilgesellschaft in Kärnten ist gestärkt und hellwach! Daher wollen wir nicht nur von Transparenz reden, sondern diese auch einmahnen. Dass dies nicht über Nacht gehen kann, ist allen bewusst. Es ist besser, so etwas behutsam einzuführen als im Husch-Pfusch-Verfahren. Genau diesen Prozess will k2020.at beobachten und ein klein wenig auch gestalterisch begleiten.

Warum k2020?

Ich wurde  immer wieder gefragt, warum dieser Blog k2020 heißt.

Weil es bis dahin brauchen wird, bis Kärnten wirklich 100prozentig transparent ist. In dieser Legislaturperiode werden die Weichen gestellt, wie Transparenz aussehen wird. Aber nur, wenn der Druck nicht nachlasst. Sonst verfällt alles bisher Erreichte wieder.

Foto: © Martin Steinthaler

Der Beginn einer neuen Ära

Das Web macht alles transparent – warum nicht auch Politik und Demokratie? Das war die These, mit der k2020 Anfang 2009 startete. Und genauso wie die Österreicher ihre Schwedenbomben gerettet haben, ist die Forderung nach mehr Transparenz mittlerweile unüberhörbar.

Ob der vielen Befürworter und einer sehr realen Chance zur Umsetzung echter Transparenz, ist es nicht unangebracht, vom Anbruch einer neuen Ära in Österreichs Politiklandschaft zu sprechen.

Transparenzgesetz.at

Transparenzgesetz.at

Vor einigen Wochen starteten politikinteressierte Bürgerinnen und Bürger unter Federführung von Josef Barth und Hubert Sickinger eine Initiative, welche die Abschaffung des Amtsgeheimnisses und die Einführung von Informationsfreiheit in Österreich fordert. Vorbild dafür ist das Hamburger Transparenzgesetz.

Die Reaktionen auf Transparenzgesetz.at waren enorm und durchwegs positiv: Selbst die Regierungsspitze – von Werner Faymann über Josef Ostermayer bis zu Michael Spindelegger und Sebastian Kurz – kann sich nun vorstellen, diese Forderungen zu übernehmen. Einige behaupten sogar, dass die Junge Volkspartei (JVP) genau so etwas seit längerem fordere. Die Transparenzvorstellungen der Jungpolitiker gehen allerdings längst nicht so weit wie jene der Initiatoren von Transparenzgesetz.at.

Freilich ist Vorsicht angesagt, denn wieder einmal wollen Politiker mehr Transparenz ohne Kontrolle und vor allem Sanktionen. So schloss Kurz aus, dass es Strafen für Ämter gäbe, die sich nicht an eine verpflichtende Transparenz halten würden.

Zudem kann man sicher sein, dass es Ausnahmen sonder Zahl geben könnte. Abgesehen von berechtigten Datenschutzinteressen der Bürger darf gar aber nichts auf Dauer geheim bleiben. Sollte es dennoch berechtigte Geheimhaltungsinteressen geben, so müssten diese ein Ablaufdatum innerhalb vernünftiger Zeitspannen haben.

Unterzeichnen & mitmachen!

Als gelernter Österreicher weiß man zudem, dass in Vorwahlzeiten viel versprochen und danach längst nicht alles gehalten wird. Um den Druck aufrecht zu erhalten, gilt es weiterhin jede mögliche Stimme für ein möglichst weitreichendes Transparenzgesetz zu sammeln. Hier kann man unterzeichnen!

Hat man selbst einen Blog oder eine Website, kann man für Transparenzgesetz.at mit einem Banner werben. Das ist mit wenigen Klicks möglich – alle Infos dazu gibt es auf der Projektseite.

Eselsohr Transparenzgesetz

FragDenStaat.at

Um das kleine bisschen Transparenz, das es in Österreich gibt, schon jetzt zu nutzen, gibt es seit heute eine weitere Website: FragDenStaat.at. Im Wesentlichen geht es darum, Bürger bei Auskunftsbegehren zu unterstützen.

Die Site ist noch beta, derzeit funktioniert das Begehren nach Auskunft lediglich für Bundeseinrichtungen und die Länder.

FragDenStaat.at

Die Anfrage (fünf Fragen sind schon online) kann ohne juristische Fachkenntnis formuliert werden, der Betreiber (Markus ›fin‹ Hametner) leitet sie automatisch an die richtige Behörde weiter.

Interessant wird sein, wie sehr Ämter und Politiker bereit sind, auf die Anfragen einzugehen. Neben den jeweiligen Fragen befindet sich nämlich auch der aktuelle Status der Anfrage und später die Beantwortung derselben.

Antwort von Gerhard Dörfler

Vermutet man, dass gerade Kärntens Politikern Transparenz und solche Dienste ein Dorn im Auge sind, wird man bei einigen nicht so falsch liegen. Mein letztes Auskunftsbegehren zu den mannigfachen Werbegeschenken von Gerhard Dörfler wurde über die Weihnachtsfeiertage – gerade noch – fristgerecht beantwortet.

Wobei „beantwortet“ eigentlich falsch ist, denn ich fühlte mich – gelinde gesagt – „gefrotzelt“. Man lese und staune selbst.

Antwort Auskunftsbegehren Werbegeschenke

Aha, Werbegeschenke sind also „dem Informationszweck dienlichen Sachartikel“ und daher ist meine Anfrage nicht zu beantworten. Auch eine Art, mit Bürgern umzugehen …