Der Landesvater als Zahlenjongleur

Update 1: Die 2013er-Zahlen finden sich ganz untenstehend. Eine Stellungnahme von Landeshauptmann Dörfler fehlt indes noch.

Ich weiß nicht, in welchem Universum Gerhard Dörfler glaubt, dass Kärnten wachsen würde. In unserem ist das leider nicht der Fall. Da ich aber nicht davon ausgehe(n möchte), dass der Landeshauptmann von Kärnten bewusst Falschinformationen streut, nehme ich an, dass er gewissen Fehlinterpretationen unterliegt.

Eine diesbezügliche Anfrage wurde gestellt, sollte sie kommen, wird dieser Artikel aktualisiert.

Gerhard Dörfler präsentiert "Statistiken"

Es geht um die Bevölkerungszahlen Kärntens. Dieser Blogpost möchte Aufklärungsarbeit betreiben und Gerhard Dörfler belegbares Zahlenmaterial der Statistik Austria und der eigenen Landesregierung mit auf den Weg geben.

Wie etwa hier im Wahl-Chat der Kleinen Zeitung oder bei jeder Konfrontation mit anderen Spitzenkandidaten in ORF Kärnten behauptet Dörfler beharrlich, Kärnten wachse. Noch deutlicher wurde Dörfler am 11. Februar 2013 in der Diskussion mit Gabriel Obernosterer (ÖVP), als er anhand seiner „Statistiken“ seinem Kontrahenten Unwissenheit und Inkompetenz vorwarf.

Gerhard Dörfler: „Wenn man im Land Kärnten Politik macht, sollte man die Situation kennen“. Aha!

Wanderungsbilanz

Was Gerhard Dörfler als Erfolg präsentiert,
sind tatsächlich die schlechtesten Zahlen Österreichs.

Sehen wir uns die Zahlen einmal näher an, die Gerhard Dörfler ständig für sein Argumentarium nutzt: die Wanderungsbilanz der Statistik Austria. Es ist nicht gerade üblich, dass Vergleiche über einen Zeitraum von elf Jahren gezogen werden, aber die Zahl wird für den Zweck vermutlich gut gepasst haben. Tatsächlich weist die Wanderungsbilanz zwischen Anfang 2001 und Ende 2011 ein Plus von 2646 für Kärnten aus. Gelogen ist’s nicht, aber dass Kärnten damit gut dastehe, ist schlichtweg falsch.

Schauen wir uns die Wanderungssaldo (Zuwanderung minus Abwanderung ohne Geburten oder Sterbefälle) für alle Bundesländer näher an. Aufgrund unterschiedlicher Größenordnungen sind die absoluten Zahlen schwer vergleichbar. Daher hier die relativen Werte – also die Wanderungsbilanz der letzten elf Jahre im Vergleich zur Jahresdurchschnittsbevölkerung über die letzten elf Jahre.

Wanderungsbilanz 2001 - 2011

Wie man aus der folgenden Tabelle sieht, hat jedes Bundesland in diesen Zeiträumen ein Plus. Egal, ob man die Zahlen absolut oder relativ (zum Mittelwert der Jahresdurchschnittsbevölkerung im jeweiligen Zeitraum) betrachtet oder welchen Zeitraum man auch wählt, Kärnten ist mit diesen Zahlen mit einer Ausnahme an letzter Stelle in Österreich. Einzig Vorarlberg liegt im Fünfjahreshorizont noch schlechter.

Wanderungsbilanz 2001 - 2011

Zahl der Wahlberechtigten

Weil ja bald Wahlen sind, könnte man auch einen Blick auf die Wahlberechtigten werfen.

2009: 443.449 Personen
2013: 440.742 Personen

Das Minus von 2707 Personen wirft Fragen auf. Ein Deutungsversuch liegt darin, dass 2009 zugleich mit der Landtagswahl auch Gemeinderatswahlen stattfanden.

Bürgermeister Oleschko

Aber weil auch hier keine Bösartigkeit unterstellt werden soll, ist es plausibler, dass die Bevölkerung Kärntens zwischen Anfang 2009 und Anfang 2013 weiter geschrumpft ist. Und tatsächlich wird bis zum Stichtag Anfang Jänner 2013 ein Minus von weiteren 928 Personen attestiert.

Bevölkerungsentwicklung

Im Österreichvergleich schaute die Lage Kärntens in den letzten Jahren nicht rosig aus. Nur Kärnten ist in den letzten Jahren geschrumpft, alle anderen Bundesländer konnten stets ein Bevölkerungswachstum verzeichnen. Sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ ist das Wachstum in Kärnten stets das geringste aller Bundesländer.

Wobei Wachstum eigentlich falsch ist. Bis auf den 20-Jahres-Horizont schrumpft Kärnten in allen Zahlenreihen. Die größten Zuwächse kann übrigens Dörflers verhasstes, weil rot-grün-regiertes, Wien aufweisen.

Bevölkerungsentwicklung

Bei den absoluten Bevölkerungszahlen wählen wir auch hier wieder den Elf-Jahres-Horizont von Gerhard Dörfler:

Bevölkerungsentwicklung 2001 - 2011

Von 2001 bis 2011 schrumpfte Kärnten von 559.745 auf 558.056 um 1689 Personen.

Bevölkerungsprognose

Mit wissenschaftlichen Methoden wagt die Statistik Austria auch einen Blick in die Zukunft. Und bei der Bevölkerungsprognose setzt sich der traurige Trend fort. Als einziges Bundesland muss Kärnten bis 2060 einen Bevölkerungsrückgang hinnehmen.

Bevölkerungsentwicklung 2011 - 2060

Und noch ein Faktum sollte dazu führen, dass sich die Politik dringend Gedanken machen sollte: Fakt ist nämlich, dass Kärntens Jugend schrumpft und das Land überaltert. Das zeigen ebenfalls nicht Dörflers politische Gegner auf, sondern Prognosemodelle:

Altersentwicklung Kärnten bis 2075

Ein Deutungsversuch hier: Wer jung und gebildet ist, verlässt das Land, um – wenn überhaupt – später den Lebensabend hier zu genießen.

Update: Schrumpfungsprozess anno 2012

Heute veröffentlichte die Statistik Austria vorläufige Zahlen für die Bevölkerungsentwicklung im Vorjahr. Und … erraten: Sie sind ebenfalls alles andere als rosig für Kärnten.

Bevölkerungsentwicklung 2012

Kärnten ist das einzige Bundesland Österreichs mit negativem Wachstum. Das Land schrumpfte – vermutlich zur großen Überraschung Dörflers – um 928 Personen.

Datendownload

Die Daten, die diesen Berechnungen zugrunde liegen stammen von der Statistik Austria bzw. dem Amt der Kärntner Landesregierung. Die Tabellen stelle ich via Google Drive allen Interessierten zur Verfügung. Vielleicht wirft ja auch der Landeshauptmann (oder einer seiner Kontrahenten) einen Blick darauf.

Der Beginn einer neuen Ära

Das Web macht alles transparent – warum nicht auch Politik und Demokratie? Das war die These, mit der k2020 Anfang 2009 startete. Und genauso wie die Österreicher ihre Schwedenbomben gerettet haben, ist die Forderung nach mehr Transparenz mittlerweile unüberhörbar.

Ob der vielen Befürworter und einer sehr realen Chance zur Umsetzung echter Transparenz, ist es nicht unangebracht, vom Anbruch einer neuen Ära in Österreichs Politiklandschaft zu sprechen.

Transparenzgesetz.at

Transparenzgesetz.at

Vor einigen Wochen starteten politikinteressierte Bürgerinnen und Bürger unter Federführung von Josef Barth und Hubert Sickinger eine Initiative, welche die Abschaffung des Amtsgeheimnisses und die Einführung von Informationsfreiheit in Österreich fordert. Vorbild dafür ist das Hamburger Transparenzgesetz.

Die Reaktionen auf Transparenzgesetz.at waren enorm und durchwegs positiv: Selbst die Regierungsspitze – von Werner Faymann über Josef Ostermayer bis zu Michael Spindelegger und Sebastian Kurz – kann sich nun vorstellen, diese Forderungen zu übernehmen. Einige behaupten sogar, dass die Junge Volkspartei (JVP) genau so etwas seit längerem fordere. Die Transparenzvorstellungen der Jungpolitiker gehen allerdings längst nicht so weit wie jene der Initiatoren von Transparenzgesetz.at.

Freilich ist Vorsicht angesagt, denn wieder einmal wollen Politiker mehr Transparenz ohne Kontrolle und vor allem Sanktionen. So schloss Kurz aus, dass es Strafen für Ämter gäbe, die sich nicht an eine verpflichtende Transparenz halten würden.

Zudem kann man sicher sein, dass es Ausnahmen sonder Zahl geben könnte. Abgesehen von berechtigten Datenschutzinteressen der Bürger darf gar aber nichts auf Dauer geheim bleiben. Sollte es dennoch berechtigte Geheimhaltungsinteressen geben, so müssten diese ein Ablaufdatum innerhalb vernünftiger Zeitspannen haben.

Unterzeichnen & mitmachen!

Als gelernter Österreicher weiß man zudem, dass in Vorwahlzeiten viel versprochen und danach längst nicht alles gehalten wird. Um den Druck aufrecht zu erhalten, gilt es weiterhin jede mögliche Stimme für ein möglichst weitreichendes Transparenzgesetz zu sammeln. Hier kann man unterzeichnen!

Hat man selbst einen Blog oder eine Website, kann man für Transparenzgesetz.at mit einem Banner werben. Das ist mit wenigen Klicks möglich – alle Infos dazu gibt es auf der Projektseite.

Eselsohr Transparenzgesetz

FragDenStaat.at

Um das kleine bisschen Transparenz, das es in Österreich gibt, schon jetzt zu nutzen, gibt es seit heute eine weitere Website: FragDenStaat.at. Im Wesentlichen geht es darum, Bürger bei Auskunftsbegehren zu unterstützen.

Die Site ist noch beta, derzeit funktioniert das Begehren nach Auskunft lediglich für Bundeseinrichtungen und die Länder.

FragDenStaat.at

Die Anfrage (fünf Fragen sind schon online) kann ohne juristische Fachkenntnis formuliert werden, der Betreiber (Markus ›fin‹ Hametner) leitet sie automatisch an die richtige Behörde weiter.

Interessant wird sein, wie sehr Ämter und Politiker bereit sind, auf die Anfragen einzugehen. Neben den jeweiligen Fragen befindet sich nämlich auch der aktuelle Status der Anfrage und später die Beantwortung derselben.

Antwort von Gerhard Dörfler

Vermutet man, dass gerade Kärntens Politikern Transparenz und solche Dienste ein Dorn im Auge sind, wird man bei einigen nicht so falsch liegen. Mein letztes Auskunftsbegehren zu den mannigfachen Werbegeschenken von Gerhard Dörfler wurde über die Weihnachtsfeiertage – gerade noch – fristgerecht beantwortet.

Wobei „beantwortet“ eigentlich falsch ist, denn ich fühlte mich – gelinde gesagt – „gefrotzelt“. Man lese und staune selbst.

Antwort Auskunftsbegehren Werbegeschenke

Aha, Werbegeschenke sind also „dem Informationszweck dienlichen Sachartikel“ und daher ist meine Anfrage nicht zu beantworten. Auch eine Art, mit Bürgern umzugehen …

Kommentar: Dörfler und die Anzeigenkeiler

Am Dienstag wurde in der 40. Sitzung der Kärntner Landesregierung (in dieser Legislaturperiode) eine vierseitige Regelung zur Öffentlichkeitsarbeit von Regierungsmitgliedern verabschiedet.

Noch kenne ich den Inhalt nicht genau, die Regelung ist – wie alles, das in der Regierung behandelt wird – Geheimsache. Sollte jemand dennoch ein freies Exemplar irgendwo finden – ich würde mich freuen: k2020@georgholzer.at.

Einige Punkte dazu bedürfen einer besondern Klärung. Landeshauptmann Gerhard Dörfler will meine Motive für mehr Transparenz nicht verstehen oder gibt sie bewusst falsch wieder.

Worum geht es nicht?

  • Es geht nicht darum, dass die Landesregierung keine Inserate mehr schalten soll.
  • Es geht nicht darum, dass Medien getötet oder ihrer wirtschaftlichen Basis entzogen werden soll.
  • Es geht nicht darum, dass Georg Holzer ruhig schlafen kann, auch wenn dies Dörfler immer und immer wieder betont.

Worum geht es?

  • Es geht zu allererst um Transparenz! Die Kärntnerinnen und Kärntner sollten wissen, wie viel ihre Politiker für Öffentlichkeitsarbeit (klingt besser als Reklame) ausgeben.
  • Es geht um Sparsamkeit. Wenn es Transparenz hinsichtlich der Kosten gibt, wird das eine oder andere Regierungsmitglied zweimal überlegen, ob man die eine oder andere Reklame macht.
  • Es geht darum, dass Inserate, Broschüren und dergleichen nicht als versteckte Parteifinanzierung missbraucht werden dürfen.
  • Und subjektiv geht es mir darum, dass im nächsten Wahlkampf Inserate, Werbegeschenke oder Onlinewerbung nicht mehr als Massenvernichtungswaffen gegen die Demokratie eingesetzt werden können.

Darum geht es mir und vielen anderen! Wenn sich der Landeshauptmann von Kärnten nicht vor „Anzeigenkeilern“ wehren kann, ist das schlichtweg sein Problem. Es darf nicht zum Problem für die vielen Steuer zahlenden Kärntner und die Demokratie werden.

Dörfler tut gerade so, als ob das Land und die Parteien von sich aus nie die Initiative zu Inseraten oder PR-Berichten ergreifen … Nein, sicher nie …

Die Argumenten Dörflers und die untenstehende Aufzeichnung aus dem Pressefoyer lassen vermuten, dass er ein Problem mit der Meinungsfreiheit und der freien Presse hat. Wenn die bösen Journalisten nicht das schreiben, was er gerne lesen würde, muss er Inserate schalten.

Damit ist er allerdings nicht alleine, sehr viele Politiker in Österreich und insbesonder in Kärnten teilen sein Problem. Presseförderung dient vielerorts nicht als Mittel zur Sicherstellung der Meinungsvielfalt und zum Erhalt regionaler Medien. Ihre Vergabe wird allzuoft mit wohlwollender Berichterstattung verknüpft, der Wert freier Medien in einer Demokratie nicht gesehen.

Die Dörflers unserer Zeit bekommen ein Problem: Es gibt immer mehr Medien, die nicht von Anzeigen abhängig sind und sich durch den angedrohten Entzug von Anzeigengeldern nicht einschüchtern lassen. Diese Website ist ein solches Medium. Zudem sollte das Wachsen von Onlinemedien und die immer größere Bedeutung sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter Dörfler & Co. Kopfweh bereiten.

Hier eine Aufzeichnung von Ausschnitten der Pressekonferenz nach der Regierungssitzung: Sie beginnt mit dem Live-Einstieg des Kollegen von Radio Kärnten und endet mit Fragen zum Thema.

LH Dörfler nennt Belehnung eines Bürger

Transparenz ist gut, wenn man selbst nicht transparent sein muss. Vor einer Woche beim k2020-Sommergespräch klang es ungefähr so, als Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) sich um die Privatsphäre der Bürger sorgte.  Angesprochen auf das Thema OpenGovernment meinte er etwa:

„Es gibt ja für jeden eine Privatsphäre und eine Unternehmenssphäre, die zu wahren ist.“

oder zur Fördertransparenz

„Sagen wir, Sie wären bei der Firma XY beschäftigt und die bekommt 1,2 Millionen Euro Forschungsprojekt-Förderung für das Projekt. Dann werden Sie am Abend privat angeredet: „Ja Dir geht’s gut, weil Eure Firma bekommt einen Haufen Fördergeld.“ Da muss man ein wenig aufpassen, weil das sensibel ist.“

oder auf eine (bislang nicht veröffentlichte) Nachfrage dazu:

„Was ich nicht mag, dass man im Sozialbereich Menschen vorführt, die mehr Förderungen bekommen, weil sie in einer sozial schwierigen Lage sind.“

Der Landeshauptmann stellt also die Privatsphäre seiner Kärntner über alles. Das kann man glauben oder nicht. Ich tendiere eher zu Zweiterem, denn heute schickt mir ein k2020-Leser folgenden Artikel aus der Zeitung Österreich vom 14. Februar 2010:

Die Namen habe ich aus Gründen der Privatsphäre geschwärzt. Es geht um einen Künstler und Berater in Kärnten, der in letzter Zeit durch einige kritische Kommentare gegen die Politik dieses Landes auffiel.

Darin sprich Dörfler etwa bisherige Förderungen an diese Person an – und bricht damit das Amtsgeheimnis. Außerdem – und das ist der eigentliche Skandal – wird Dörfler von Österreich wie folgt zitiert:

„Das Grundbuch seines Hauses ist mit rund 450.000 Euro belastet, Hauptgläubiger ist die Hypo.“Belöe

Frage: Sind hier juristische Tatbestände erfüllt und wenn ja, welche? Ruf- und Kreditschädigung? Bruch des Amts- oder Bankgeheimnisses? Diffamierung? Wieso gilt das Amtsgeheimnis für einen kleinen Beamten, aber nicht für den Landeshauptmann? email@k2020.at oder Meinung in die Kommentare. Danke!

Und noch etwas Unverständliches: Ich habe den Artikel damals nicht gesehen – mich wundert, dass es in Kärntens Medienlandschaft keinen Aufschrei gegeben hat. Übersehen? Mit Inseraten gekauft?

Anmerkung auf dass es keine Auffassungs-Unterschiede gibt: Auf diesem Blog geht es um OpenGovernment – also um Transparenz in der Politik. OpenGovernment hat AUSSCHLIESSLICH öffentliche Daten im Fokus, die keinen Personenbezug haben.

Ich nehme Ihr Angebot an! [Update]

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

Gerne greife ich Ihren Wunsch auf. Im Pressefoyer vom 23.2.2010 machten Sie allen Journalisten das Angebot, Sie würden für 100 Tage Ihren Beruf an den Nagel hängen und mit einem von uns tauschen. Im Interesse des Landes Kärntens sowie all seiner Bürgerinnen und Bürger melde ich mich hiermit.

Weil die Worte eines Landeshauptmannes Gewicht haben und Sie bestimmt nicht irgendwelchen Blödsinn von sich geben, gehe ich davon aus, dass Ihr Angebot ernst gemeint war. Aus diesem Grunde habe ich mir bereits einige Gedanken über meine Amtsführung in diesen 100 Tagen gemacht.

Sie erreichen mich jederzeit telefonisch oder per E-Mail. Weil ich gegenüber der Landesregierung wohne und hier auch mein Büro habe, könnten Sie auch jederzeit persönlich vorbei schauen. Wir können dann auch gleich Ihre neue Aufgabe – das Verfassen von Technik-Berichten für die Kleine Zeitung, die Tiroler Tageszeitung, den Kärntner Monat und einige andere Medien – durchsprechen. Das alles wird ein Klax für Sie und nach 100 Tagen kommen Sie entspannt in Ihr Büro zurück.

Ich bin mir sicher, dass ich keine 3.600 Termine im Jahr absolvieren werde. Warum? Weil meine Zeit einfach zu knapp und kostbar ist, um sie mit Ihren Parteifreunden, bei Partei-Stammtischen, Gasthaus-Eröffnungen oder Kirchtagen zu verbringen.

Grüße Ihr Georg Holzer
bald unabhängiger und unkorrumpierbarer Landeshauptmann von Kärnten

PS: Sie werden SEIN Kärnten nach meiner Amtszeit nicht mehr wiedererkennen!


Georg Holzer
Paulitschgasse 17, A-9020 Klagenfurt, +43-676-533 29 05, email@georgholzer.at, http://www.georgholzer.at

———————————–

Ich habe dieses Mail übrigens nicht nur an Gerhard Dörfler, sondern auch an Larissa Herzog-Sternath, seine Pressesprecherin geschickt. Ich will ja eine Antwort und ich weiß nicht, wie oft der seine E-Mails anschaut.

Update:

Eben habe ich gut 40 Minuten mit Gerhard Dörfler telefoniert. Der Landeshauptmann hat tatsächlich angerufen.

Das Gespräch begann mit der Frage, welche Erfahrungen ich denn mitbringen würde. Dörfler: „Haben Sie schon eine Bankfiliale geleitet oder waren Sie ein Jahr lang Chef einer Brauerei?“
Nachdem geklärt war, dass ich für den Job eines Landeshauptmannes „nicht qualifiziert“ sei, durfte ich meinen Unmut über die Landesregierung loswerden. Er sah sogar ein, dass er einmal „in Wahlkampflaune“ – bei dem bekannten Duttl-Foto – Kärnten blamiert hätte: „Dieses Foto hätte tatsächlich nicht sein müssen.“ Mehr wollte er nicht einsehen.

In den folgenden 30 Minuten ging es darum, wie rechtmäßig doch die akutelle Ortstafel-Situation (leider fehlten mir hier die Kenntnis der Sachlage und somit auch die Argumente) sei und dass die Parteienfinanzierung der FPÖ kurz vor dem Wechsel vom organgen ins blaue Lager in Ordnung gewesen wäre. Ebenfalls völlig in Ordnung bezeichnete er die 50 Euro Trinkgeld (aus Ermessensausgaben) für einen armen Staatsdiener währen der Hypo-Verhandlungen.

Keine Antwort bekam ich auf meinen Vorwurf, dass Gesetze (etwa Auskunftspflicht) in Kärnten einfach nicht eingehalten würden oder dass das Land extrem intransparent sei. Dörfler: „Spanien und Griechenland sind da nicht besser als wir“. Ich meine, die sind in diesem Bereich besser – aber bitte.

Ausgewichen ist Dörfler auch, als es darum ging wie schädlich das öffentliche Verhalten (Scheuch’s Grinsen im Fernsehen) denn gewesen wäre. Es kam bloß zurück, dass niemand in der Politik wirklich Schuld habe. „Erst wurde uns vorgeworfen, wir hätten zu billig verkauft. Jetzt soll es zu teuer gewesen sein.“

Dafür, dass sich viele Kärntner außerhalb der Landesgrenzen unwohl fühlen und sich für Kärnten genieren, fehle ihm, Dörfler, das Verständnis. Selbst Deutsche Infineon-Manager hätten von Kärnten und seiner Politik eine hohe Meinung.

Fazit: Er will nicht tauschen und wir sind nach wie vor in keinem Punkt einer Meinung. Aber immerhin hat er sich die Zeit genommen …

Ich werde Landeshauptmann

Achtung Polemik! Aber so etwas muss man einfach kommentieren – auch auf einer sonst seriösen Website wie dieser.

In der letzten Zeit wurde es still um die Kärntner Landesregierung. Es schien fast so, als genehmigte man sich kollektiven Urlaub. Ein Freund meinte unlängst, dass dies grundsätzlich keine schlechte Sache sei. Nicht arbeitende Politiker können schließlich auch nichts anrichten. So mancher Kommentator der politischen Szene Kärnten sprach aber gar schon vor Arbeitsverweigerung.

Landeshauptmann Gerhard Dörfler – bekanntlich nicht auf den Mund gefallen – konterte gestern nach der Regierungssitzung im Pressefoyer und machte mir und vielen anderen Journalisten ein Angebot, das wir nicht ablehnen können. Ich zumindest nicht.

Allerdings bewies unser LH auch schon mehrmals, dass man nicht alles für bare Münzen nehmen kann, was er sagt. Sogar die Staatsanwaltschaft ist dieser Meinung. Schade, denn so bleibt das nur eine leere Worthülse.

Was würde ich in 100 Tagen Landeshauptmann machen?

  • Am ersten Tag meiner Amtszeit würde ich die besten Informatiker des Landes herbei holen. Sie sollen sich in einer Taskforce Gedanken darüber machen, wie man den großen Datensilo des Landes öffnen kann. Welche Schnittstellen notwendig wären.
  • Am zweiten Tag würde alles Juristen des Landesdienstes herbei schaffen, die Öffnung aller Daten juristisch vorzubereiten.
  • In 100 Tagen muss alles vorbei sein und OpenGovernment Realität sein.
  • Ich würde jeden Spesenbeleg, jede Ausgabe der Landesregierung online stellen.
  • Am dritten Tage würde ich in die Landesbuchhaltung gehen und ausheben lassen, wie viel sinnloserweise für Inserate ausgegeben wird. Damit wäre auch mein – bis dato unbeantwortetes – Informationsbegehren beantwortet.
  • Jeder Cent für Zeitungsinserate wird umgeleitet in einen Sonderposten für die bessere Ausstattung von Landesschulen. Damit werden beispielsweise PCs und Netbooks gekauft.
  • Der Landespressedienst wäre angewiesen, keinen Schrottmeldungen (Unser LH in Eisenkappel, Schulschitag ein voller Erfolg, Dörfler gratuliert Morgenstern) mehr zu verfassen, die außer den selbstverliebten Parteileuten in den Regierungsbüros niemanden irgendeinen Nutzen stiften.
  • Meine Büromitarbeiter bekämen den Auftrag, nur noch Arbeitstermine zu vereinbaren. So wäre die Workload von 3600 Terminen pro Jahr vermutlich bei 1000. Politiker sollen arbeiten und das Interesse des Landes im Vordergrund haben und nicht Kirchtage oder Zeltfeste besuchen und Gasthäuser einweihen. Weil ich keiner Partei angehöre, gäbe es auch keine Parteitermine.
  • Ich würde ausheben lassen, wo sich das Land weiter nicht an Gesetze oder Sprüche des Verfassungs-Gerichtshofes hält und diese endlich umsetzen.
  • Ich würde das Bundesheer rufen, endlich die Ortstafeln einzusetzen.
  • Ich würde mir die kreativsten Köpfe im Land in die Regierung holen und sie damit betrauen, dem Land eine Richtung zu gehen, die Zukunft hat.
  • Ich würde die besten Techniker zu einer Enquete einladen und sie fragen: Wie können wir die Technik bestmöglich für die Zukunft nutzen? Was kann das Web für uns tun? Als Technologiereferent würde ich dieses Fach wohl besser verstehen als der aktuelle Amtsinhaber.
  • Ich würde mich bei allen Bayern und Österreichern für das von Kärntner Politikern mitverursachte Desaster der Hypo Group Alpe Adria entschuldigen und ihnen zutiefst für jeden Cent danken.
  • Ich würde es allen Mitarbeitern der Regierungsbüros verbieten, Parteiarbeit zu machen. Bezahlt werden sie nämlich ausschließlich für die Tätigkeit für Kärnten.
  • Ich würde mich ernsthaft dafür interessieren, welche Vorteile/Auswirkungen ein Asyl-Erstaufnahmezentrum in Kärnten hätte. In Verhandlungen müsste man doch wohl einiges für Kärnten herausholen können. Und Gemeindem gäbe es auch, die das haben wollen.
  • Ich würde mich gleich einmal mit Sloweniens Regierungsspitze treffen und diskutieren, wie wir in allen Bereichen näher zusammen rücken können.
  • Und und und.
    Mir würden noch 100 Dinge einfallen, die ich in den ersten 100 Stunden (nicht Tagen) anpacken würde. Zeit hätte ich ja genug, denn Zeltfest und Gasthäuser würde ich mit dem Schreibtisch tauschen.

Ich glaube, ich wäre ein guter Landeshauptmann. Und ihr? Was würdet ihr machen?

2010, das Jahr der Karotte

Update: Weil’s ein paar Leute gemeint haben – das bitte, ist KEINE Satire. Das ist trauriger Ernst.

Erst hab ich gedacht, ich bin irgendwo angerannt und nicht mehr im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte. Aber es hat sich wirklich so abgespielt. Meine Kollegin schwört es mir zumindest.

Am 29. Oktober erscheint in der Kärntner Woche ein Interview mit unserem Herrn Landeshauptmann.

„Spüre die Sehnsucht“ – Ein Don Quichotte im Kampf gegen den Zeitgeist? LH Dörfler sieht sich eher als einen, der „Trends erkennt“.

doerfler-woche

Die Lösung ist also ebenso einfach wie simpel: Wir müssen nur Gemüse im Garten anpflanzen und schon können uns Kärntnern weder diese noch kommende Krisen etwas anhaben. Eine Lösung, wie sie nur von einem sehr einfach gestrickten Menschen kommen kann.

Gemüse anpflanzen ist ohne besser, als würden die Leute an sich arbeiten, sich neue Dinge beibringen, etwas dazulernen oder umschulen. Wer braucht schon sowas wie Bildung? Ist ja mit Lesen und Nachdenken verbunden – das will man dem Volk ja wirklich nicht antun.

Irgendwer hat scheinbar nachgedacht und hat den Landeshauptmann damit aufgezogen. „Kleingärten seien höchstens was für Kleingeister“, soll sogar jemand gesagt haben. Was macht ein resoluter Landeshauptmann, der seine Idee ins Lächerliche gezogen sieht? Er holt zum Gegenschlag (gegen Kärnten?) aus!

Karotten, Wiki Commons by 4028mdk09

Am vergangenen Dienstag im Pressefoyer nach der Regierungssitzung (einem der höchsten Gremien dieses Landes) spricht Dörfler:

Es sei ein Witz, dass die Idee von Kleingärten lächerlich gemacht werde. Internationale Trendforscher würden ihm das bestätigen und er sei damit „nahe an den kleinen Leuten“.

Gerhard Dörflers Idee darauf hin: Er ruft 2010 zum Kärntner Jahr der Karotte aus. Er habe sich an seine Volksschul-Lehrerin erinnert, die ihm gesagt haben soll: „Karotten sind gut für die Augen.“

KEIN WITZ, das ist weder erfunden, noch erstunken, noch erlogen! Das ist trauriger Ernst. Und teurer Ernst auch noch, denn der Landeshauptmann hat auch schon Ideen zur Vermarktung. Es soll Kochbücher mit Karotten-Rezepten geben, Wissenswertes über Karotten soll (vermutlich in Form von teuren Inseraten) unters Volk gebracht werden.

Übrigens: 2010 wird außerhalb Kärntens auch gefeiert – als „Europäisches Jahr zur Bekämpfung von sozialer Ausgrenzung und Armut“. Lieber Gerhard, vielleicht geht das mit Bildung ein bisserl einfacher als mit ein wenig Gemüse …