Warum OpenGovernment?

Nachdem vorher bereits über die Öffnung der britischen Regierungsdaten vergangene Woche die Rede war, möchte ich nun eine Fragen beleuchten: Warum macht man das überhaupt?

Die zentrale Frage Gordon Browns an Tim Berners-Lee war: „How can the UK make best use of the web?“

Die veröffentlichung der Regierungsdaten hat so unendlich viele Vorteile. Hier nur ein paar davon:

Bessere Analyse:
Die Beamten ihrer Majestät sind – wie Beamte in aller Welt – sehr gut im Sammeln von Daten. Die Analyse derselben erfordert aber ungleich mehr Kreativität. Erst durch grafische Auswertungen aller Art werden Zusammenhänge sichtbar.

Zusammenhänge die eine Änderung der Politik oder Entscheidungen nötig machen. Aber: Um auf geänderte Bedingungen reagieren kann, muss man diese überhaupt erst erkennen.

Was liegt da näher, als sich auf viele kreative Köpfe zu verlassen anstatt auf wenige Beamte? Und oft ergeben sich richtige Schlussfolgerungen erst aus der Kombination unterschiedlicher Datensätze.

Bessere Polit-Entscheidung:
Es ist eine alte Binsen-Weisheit: Je besser die Daten und je verfügbarer sie sind, umso bessere Entscheidungen werden getroffen. Bei der schweren Greifbarkeit von Daten und der langen Zeit der Suche nach ihnen (hier ist kaum etwas maschinell auswertbar) darf es einen nicht wundern, wenn die Politik schlechte Entscheidungen trifft.

Nur ein Beispiel: Es ist durchaus möglich (wenngleich wenig wahrscheinlich), dass Stadt Klagenfurt und Land Kärnten tatsächlich nicht wussten, wie hoch die Folgekosten des Fußballstadions sein sollten. Durch Publikation aller Daten wäre ein weit besserer Entscheidungsprozess möglich gewesen, der dem Steuerzahler auch viel Geld erspart hätte.

Bessere Privat-Entscheidungen:
Auch jeder einzelne muss ständig Entscheidungen treffen.

  • Wo soll ich mein Haus bauen?
  • Wie steht es um die Luftgüte an diesem oder jenen Ort?
  • Ist es klug, meine Kinder in diese oder jene Schule zu schicken?
  • Wo soll ich mein Geschäft eröffnen? Wo sind meine potenziellen Kunden?
  • Passieren in meiner Nähe viele Einbrüche? Soll ich mir eine Alarmanlage zulegen?

Diese und sehr sehr viele andere Fragen wären mit einer breiten Verfügbarkeit öffentlicher Daten einfacher und vor allem besser zu treffen.

Demokratische Kontrolle:
Natürlich gibt es in allen entwickelten Demokratien – dazu zähle ich Kärnten ausdrücklich nicht – eine parlamentarische Kontrolle. Im Kräftespiel zwischen Regierung und Opposition sowie durch die Gewaltenteilung wird sicher gestellt, dass eine Regierung gut funktioniert.

Allerdings braucht es auch Kontrolle von außen, also eine außerparlamentarische Opposition. Medien brauchen Rohmaterial für die Recherche. Und es muss das Interesse einer entwickelten Demokratie sein, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger am Meinungsbildungsprozess beteiligen.

Beides erfordert öffentliche Daten.

Ein exzellentes Beispiel hierfür ist die britische Website: wheredoesmymoneygo.org.

Derzeit existiert nur ein Prototyp der Website, die analysieren will, was mit dem Steuergeld der Briten passiert. Mit den neuen Daten wird ihr das hoffentlich auch gelingen.

Wirtschaftliche Gründe:

Datensind der Rohstoff für das Informationszeitalter. Je mehr und je bessere Daten als Grundlage für Informationsdienste zur Verfügung stehen, umso besser.

Großbritannien hat die Weichen für eine Entwicklung gestellt, die das Web in den nächsten fünf bis zehn Jahren beflügeln wird. Wie macht man aus puren Daten großartige Dienste für die eine Allgemeinheit auch bereit ist zu zahlen. Die Bereitstellung der Daten selbst ist kostenlos, explizit ist aber die Errichtung von Mehrwertdiensten gestattet.

Bis es in 15 oder 20 Jahren einmal bei uns soweit sein wird, haben die Briten bereits eine Industrie aufgebaut, die ihr Know-how zu uns exportiert und hier für ihre Dienste mit unseren Daten Geld verlangen wird.

Selbst Schuld, möchte man meinen, oder?

Welche weiteren Gründe fallen euch noch ein?
Warum müsste jede Regierung eher gestern als heute ihre Datensafes öffnen?

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