Cool Britannia öffnet seine Daten

OpenGovernment wird von vielen auf ein Ding reduziert: Geld und die Kontrolle des Steuerzahlers über die Ausgaben der Politik. Klar, das ist ein wichtiges Thema, darf aber nicht darauf reduziert werden.

Open Government ist vielmehr das Gegenteil vom Amtsgeheimnis. OpenGovernment fordert schlichtweg umfassende Offenheit. ALLE Daten, die Bund, Länder und Gemeinden sammeln, sollen grundsätzlich offen und frei zugänglich sein. Alle Daten bis auf solche, die personenbezogen sind.

In Großbritannien tat sich in der vergangenen Woche Großartiges: Die Regierung öffnete über 2800 Datensätze und publizierte die Online auf data.gov.uk. Es ist dies die weltweit größte Sammlung an „Government Data“, die der Öffentlichkeit zugänglich ist. Frei und ohne Hindernisse, selbst für einen Österreicher.

Da stellt sich die Frage: Warum ist man auf der Insel so viel weiter als in der Alpenrepublik?

Informationsfreiheit vs. Amtsgeheimnis

Die ORF-Futurezone brachte es mit auf den Punkt:

In Großbritannien muss die Regierung begründen, wenn sie die Informationen nicht veröffentlichen will. Das ist das Gegenteil der Amtsverschwiegenheit, die in Österreich sogar trotz diverser Auskunftspflichtsgesetze Verfassungsrang hat. Österreich ist daher heute das einzige Land in der Europäischen Union, das noch nicht in Richtung „Open Government“ umgedacht hat. Auch in Deutschland gehörte übrigens die Amtsverschwiegenheit ebenfalls lange Zeit zum tradierten Umgang mit den Bürgern – bis vor vier Jahren, als das Bundesinformationsfreiheitsgesetz eingeführt wurde.

Ich kenne einige Politiker und bin mir sicher, dass die davor Angst haben. Zudem fehlt den meisten von ihnen das Verständnis (und auch Itellekt), welche Tragweite und welche Auswirkungen eine Öffnung der Daten haben könnte.

Personen mit Weitblick

Meine Lieblingszeitung in Europa ist der Guardian. Seit 2006 kämpft die britische Qualitätszeitung für die Öffnung der Daten und hat seither dieses Thema nie fallen gelassen. Ich würde mir wünschen, wenn sich auch die Kleine Zeitung auf den Zug drauf setzen würde.

Im vergangenen Frühjahr rund um den 20. Geburtstags des WorldWideWebs war dessen Erfinder, Sir Tim Berners-Lee bei TED zu Gast und sprach über OpenData:

Zum Durchbruch verhalf dem Thema aber ein simples Abendessen von Regierungschef Gordon Brown und Berners-Lee. Letzterer gilt – auch in seiner Funktion als Chef des WordWideWeb-Konsoriums (W3C) als Verfechter einer Öffnung von Daten. Der Guardian notiert dazu:

Brown, seeking a technological initiative and seeing just the sort of person who might know what it should be, said to Berners-Lee: „What’s the most important technology right now? How should the UK make the best use of the internet?“

To which the invigorated Berners-Lee replied: „Just put all the government’s data on it.“

To his surprise, Brown simply said „OK, let’s do it.“

Berners-Lee now says: „I was so much more used to hearing ’no‘ from government that it was a big shock.“

Und so ging es nur noch ums Wann, nicht mehr ums Ob …

Politik lebt von Polemik

Die politische Kultur Österreichs – und nicht nur Kärntens – ist an einem erschreckenden Tiefpunkt. Getrieben von einem immer unerträglich werdendenen dritten Lager verlassen sowohl SPÖ wie ÖVP zusehends den Boden christlichsozialer bzw. sozialdemokratischer Ideologien. Was zählt, ist die schnelle Polemik und es nach Möglichkeit möglichst allen möglichst schnell recht zu machen. Robert Misik vom Standard fasst das in seinem jüngsten Video sehr gut zusammen.

Neben der Menschlichkeit bleiben dabei Argumente in der österreichischen Innenpolitik gänzlich auf der Strecke. Polemik und sachliche Diskussion passen nicht zusammen. Wenn allerdings alle Daten für jeden ständig und überall greifbar sind, müssen Politiker (zumindest tehoretisch) damit rechnen, dass der andere informiert sein könnte.

Eine schnelle Hetze gegen Ausländer ist dann ebenso wenig drinnen wie ein knappes Schein-Argument für oder gegen Ortstafeln oder die Lüge nach den Folgekosten eines Großprojekts.

Fazit

Aufzuhalten ist der Trend ohnehin nicht und so werden irgendwann auch die Regierungen Kärntens und Österreichs einmal „offen“. Unsere Angestellten haben die Möglichkeit: Je schneller sie uns unsere Daten geben, umso rascher sind sie den Ruf der Vertuscher und Verheimlicher los.

Irgendwann wird der Druck auf die Politik zur Abschaffung des Amtsgeheimnisses so groß sein, dass sie ohnehin nicht mehr können.

Danke Großbritannien! Danke Guardian! Danke Sir Tim Berlners-Lee und Danke Gordon Brown!

Cool Britannia – Rule Britannia!

Advertisements

Ein Gedanke zu „Cool Britannia öffnet seine Daten“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s