Schlampiger Umgang mit Geld

Eine Buchhaltung ist mit der “Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes zu führen”, heißt es etwa im Handelsrecht. Für die Buchhaltung des Landes trifft das wohl nicht zu. Denn da wird mit Zahlen hantiert, dass einem das blanke Grausen kommt. Zwei Beispiele gefällig?

Das Hotel, das uns gehörte

Bei der Recherche zur Teilverstaatlichung der Bäckerei Legat letzte Woche, fiel mir im Rechnungsabschluss des Landes Kärnten etwas Interessantes auf:

1996 ging das Land Kärnten eine Beteiligung an der Firma von Hans Zöhrer ein. Der Firma gehörte das Naturhotel Techendorf am Weissensee (aka Hotel Alpenhof GmbH, in Naggl 4, 9762 Techendorf). 436.037,01 Euro wurden als stille Einlage in die Gesellschaft gepumpt. Komisch daran ist, dass sich das Land Kärnten direkt und nicht etwa über die Kärntner Landesholing, die Tourismus-Holding oder die Betriebsansiedlungs- und Beteiligungsgesellschaft des Landes an dem Unternehmen beteiligte.

Das ist aber nicht die einzige Auffälligkeit. Im vergangenen Jahr musste der Steuerzahler die komplette Einlage abschreiben, die Gesellschaft wurde nach einer Insolvenz liquidiert. Komisch: Die Liquidation fand bereits im August 2004 statt. Wie kann es sein, dass so ein Brocken niemandem in der Landesbuchhaltung auffällt?

Fast eine halbe Million kostete dem Steuerzahler das Abenteuer dieser Hotelbeteiligung. Warum genau die eingegangen wurde, weiß heute keiner mehr so genau. Dass der Betrieb nicht mehr da ist, fiel erst drei Jahre später auf.

beteiligung

Das „S“ hat übrigens nichts mit Schilling zu tun. Alle Beträge sind in Euro.

Über fünf Millionen Euro fehlten

Die nächste Geschichte schrieb Kollege Wolfgang Rössler. Hier ist der Umgang mit schlampige Umgang der Politiker mit dem Geld der Geld der Bürger noch dramatischer: Rechnungshof zerpflückt Jahresbilanz des Landes Kärnten. Klingt harmlos, ist es aber nicht.

Also: Weil man von den Landtagsabgeordneten nicht erwarten kann, dass sie die Rechnungsabschlüsse des Landes Kärnten verstehen können, prüft die der Rechnungshof für sie. Dieser stieß im Rechnungsabschluss für das Jahr 2007 allerdings auf eine Millionen-Lücke:

Zwischen den von Finanzreferent Harald Dobernig (BZÖ) vorgelegten Endbeständen 2007 und den Anfangsbeständen 2008 klaffe eine Lücke von über fünf Millionen Euro.

Genau genommen betrug die Lücke 5.193.777,59 Euro. Ich möchte auch einmal in der Lage sein, dass mir fast 5,2 Millionen Euro nicht auffallen! Entstanden war das Ganze durch einen Buchungsfehler:

So hatte die Auflösung einiger Darlehensbegleitgeschäfte im Jahr 2007 zur Folge, dass die noch nicht fälligen Forderungen bis 2013 bei den „Erträgnissen aus derivativen Finanzprodukten“ um den Betrag von 5,302.539 Euro verringert werden mussten. Gleichzeitig waren ausgabenseitig Aufwendungen in der Höhe von 106.721 Euro zu berücksichtigen. Dies ergibt den Betrag von 5,195.817,59 Euro, um welchen sich die Bilanzsumme 2007 änderte.
„Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen wurde es verabsäumt, die Blätter mit den entsprechend korrigierten Beträgen im Rechnungsabschluss 2007 rechtzeitig zu tauschen. Buchhalterisch waren aber alle Beträge richtig verbucht und beim Jahresübertrag auf 2008 wurden auch diese – richtigen – Beträgen verarbeitet“, berichtet der Leiter der Abteilung 4, Horst Felsner.

Abgesehen von der Frage nach dem Ausmaß der Schlampereien: Die Koalitionsparteien BZÖ und ÖVP peitschten den Rechnungsabschluss im Landtag durch. Kein Abgeordneter dürfte den diesbezüglichen Rechnungshof-Bericht (siehe Faksimile © Kleine Zeitung) gelesen haben. Und dies, obwohl der Rechnungshof die Abgeordneten bei deren Arbeit unterstützten sollte.

luecke

Oder – und das wäre wirklich dramatisch – die Abgeordneten wollten den Rechnungsabschluss wissentlich falsch durch den Landtag peitschen.

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3 Gedanken zu „Schlampiger Umgang mit Geld“

  1. Was ist jetzt los mit der Werbungsdatenbank? Mir ist schon wieder ein Wochenblatt 🙂
    ins Haus geflogen – voll mit doppelseitigen Anzeigen.

  2. Mir ist noch was lustiges aufgefallen:
    Auf kaernten.tv sind von gestern auf heute im meinem RSS-collector etliche „Lust auf…“ Multimedia Event-Kalender Einträge aufgetaucht. Zuerst habe ich gedacht, hierbei handelt es sich um einen mehrfach editierten Eintrag.
    Aber nein,
    da wurden rückwirkend (mit altem Datum versehen) Beiträge freigeschalten. Lustig oder?
    Im RSS-feed habe ich 33 neue Einträge mit „Lust auf“ bzw. „Lust auf …Summer special“.
    Oder haben anderen diese Beiträge schon früher gesehen? Hat das sonst noch wer bemerkt?

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