Verschenken wir ein Stadion

Entscheidungen kann man gut oder schlecht finden. Man kann ihnen zustimmen oder sie ablehnen. Die Klagenfurter Stadtpolitik ist aber seit über einem Jahr überfordert, eine solche überhaupt zu treffen! Es geht um das Klagenfurter Fußball-Stadion alias Hypo Group Arena.

Mit Baukosten von 66,5 Millionen Euro wurde das Europameisterschafts-Denkmal der Politik ohnehin schon recht teuer. Dazu kommen jetzt noch die Kosten für den Rück- und Endausbau. Denn: Was derzeit steht, ist lediglich eine viel zu große Sparvariante. Die Außenhaut (siehe Bild unten) etwa ist noch nicht fertig, die Anlage nicht begrünt, die Parkplätze nicht final befestigt und so weiter und so fort.

Diese Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie in Kärnten gewurschtelt wird:

  • Entweder wusste die Politik damals nicht, worauf sie sich einlässt oder
  • sie hat dem Wahlvolk die gesamten Kosten (siehe unten) verheimlicht.

Hypo Group Arena (c) Sportpark Klagenfurt/Architekt Wimmer, Pressefoto

Niemand weiß, was dieser kosten wird, wenn das Stadion …

  • die volle Kapazität von 32.000 Zuschauen behält,
  • auf 12.000 Sitzplätze (wie ursprünglich geplant) oder
  • für 18.000 Zuschauer zurück gebaut werden soll.

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Auch Kapazitäten von 22.000 bis 24.000 Sitzplätzen sind zeitweise ein Thema. Der Eiertanz hat einen Grund: Die Stadt Klagenfurt hat keinen finanziellen Spielraum mehr, die Politiker wollen sich ihr Monument auch dafür erhalten, damit sie wieder bei Festspielen auftreten können. Der Hammer kommt allerdings erst mit den Betriebskosten!

Mein Kollege Joschi Kopp von der Kleinen Zeitung hat sich diese im Mai einmal angeschaut. Jährliche 1,7 Millionen Euro kostet der Betrieb des Stadions! 720.000 Euro würden an Kosten selbst dann anfallen, wenn man “die Schlüssel wegwirft und das Stadion leer stehen lässt”.

  • Errechneten Einnahmen von 250.000 Euro (durch wen oder was?) stehen Kosten von 1,1 Millionen Euro für Instandsetzung, Personal, Verwaltung, Betriebskosten etc. gegenüber. Bleibt also ein Abgang von 850.000 Euro.
  • Das Ballsport-Zentrum sorgt im Betrieb für ein jährliches Minus von 450.000 Euro.
  • Das Akademie-Gebäude soll jährlich 400.000 Euro kosten. Mieter gibt es noch keinen einzigen.

Die Stadt Klagenfurt verpflichtete sich, den Bau für 35 Jahre zu betreiben. Die Milchmädchen-Rechnung lautet also: 1.700.000 x 35 = 59.500.000 Euro (rund 820 Millionen Schilling)

Anders ausgedrückt: 59,5 Millionen Euro wird das Stadion der Stadt Klagenfurt in den nächsten 35 Jahren kosten.

Die ultimative Lösung = Wir verschenken das Stadion!

Im Rahmen eines Beauty Contests sollen Bewerber, die den Bau betreiben wollen, ihre Konzepte abgeben. Die Stadt wählt den besten aus und ist viele Probleme los.

Im Gegenzug für das geschenkte Stadion müsste sich der neue Betreiber an einen detaillierten Auflagenkatalog halten:

  • Einhaltung strenger Qualitätskriterien
  • Bankgarantie als Sicherheitspolster für das Bestehen
  • Vergabe des Stadions unter der Prämisse des Belastungs- und Veräußerungsverbots
  • Rückgabe des Stadions in die Hände des Steuerzahlers bei Nichteinhaltung der Auflagen oder Pleite/Liquidation des Betreibers.

Ein Verschenken hat NUR Vorteile und keine Nachteile. Oder sehe ich das mit meiner neoliberalen Brille anders?

  • Ein Privater hat sehr wahrscheinlich mehr Interesse am Geschäft/Veranstaltungen als Personen, die lediglich den Gebarungsabgang an die öffentliche Hand berichten müssen.
  • Der Steuerzahler erspart sich bis zu 59,5 Millionen Euro. Womöglich könnte man dem neuen Betreiber etwa die Vergnügungssteuer erlassen oder ihm bei den einen oder anderen Kommunalabgaben entgegen kommen, weshalb die Ersparnis etwas geringer wäre.
  • Die Politik wäre nicht mehr vom SK Austria Kärnten und dessen Präsidenten erpressbar. Wenn der Verein nichts bezahlt, soll der neue Betreiber den Klub einfach rauswerfen … Mietverträge sind einzuhalten! Pacta sunt servanda!
  • Es gäbe keine Freunderlwirtschaft – alle Tickets müssten bezahlt, Veranstaltungen sauber abgerechnet werden.

Allerdings: Es ist unwahrscheinlich, dass jemand das Stadion überhaupt will. Denn wie heißt es in einem Film mit Tom Hanks so schön: Geschenkt ist noch zu teuer.

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4 Gedanken zu „Verschenken wir ein Stadion“

  1. „Geschenkt ist noch zu teuer.“ – eben, das Goldeck hat auch nur einen Schilling (ja, damals warens noch Schulling) gekostet ;p

  2. als da bin ich gespannt, ob sich da ein unternehmen findet, der sich das antun wird. Wenn sich niemand findet, dann bitte lieber ein ende mit schrecken, als ein schrecken ohne Ende und d.h. das stadion abreißen! dann gibt es zumindest keine laufende kosten. wir müssen halt die errichtungskosten in den nächsten jahren abzahlen. verantwortliche gibt es eh keine mehr, an die man sich halten kann (der eine ist schon in pension geschickt, der andere hat sich selber aus der verantwortung gezogen).
    Vielleicht lernen wir dann daraus für die nächsten projekte (eisstadion, hallenbad,…)

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