Aufschrei des Dichters und das Schweigen der Mehrheit

Am vergangenen Freitag erschien in der Kleinen Zeitung ein Leitartikel meiner Kollegin Antonia Gössinger, den ich auch hier veröffentlichen möchte:

antonia

Der Aufschrei des Dichters und das Schweigen der Mehrheit

Kärnten ist ein politisch-moralisch verrottetes Land.

Wie lange noch werden sie schweigen? Diese Frage, die Josef Winkler mit seiner Eröffnungsrede beim diesjährigen Klagenfurter Bachmann-Bewerb an die Kärntner stellte, war Anklage und Resignation zugleich. Sie war weniger eine kulturelle Leistung als vielmehr ein Akt der Zivilcourage. Ein dringend und längst notwendiger Akt der Zivilcourage, den die vermeintlichen Eliten des Landes ebenso wie die selbst ernannten seit Jahren vermissen lassen.

Es sind Einzelkämpfer, die sich dem politischen System in Kärnten und den Unsäglichkeiten, die das Land außerhalb seiner Grenzen so suspekt macht, gelegentlich entgegen stellen. Die große Mehrheit schweigt. Die einen haben resigniert, die anderen haben sich arrangiert. Vielen ist die Teilhabe an der Macht und die Gunst der Mächtigen wichtiger als der eigene Anstand und das eigene Spiegelbild. Nur so ist es möglich, dass der Rechtsstaat durch Kärntner Politiker ausgehöhlt, gebeugt und verhöhnt wird.

In diesem Land ist das Maß für das Erträgliche und Zumutbare schon lange verloren gegangen. Da wird hingenommen, dass eine Partei sich das Land einverleibt. Die anderen spielen für ein paar Brosamen die Steigbügelhalter. Und die dritten lassen sich kaufen, wie zuletzt beim Skandal um die heimlich vollzogene, schamlos große Erhöhung der Parteienförderung.

Wie lange noch werden sie schweigen? Das Schweigen erlaubt es den höchsten Repräsentanten des Landes, sich ihrer Repräsentationspflicht zu entledigen und peinliche Schauspiele zu liefern. Wie der Landeshauptmann, der zwei Staatspräsidenten beim Besuch in Kärnten brüskiert und der Landtagspräsident, der dem Vizepräsidenten des Europäischen Parlamentes die Tür des Landhauses weist. In dieses Bild fügt sich, dass Druck auf unabhängige Medien und Journalisten ausgeübt wird. Unliebsame Personen und Organisationen werden kalt gestellt, nicht genehme Institutionen und Bereiche, von denen die Machthaber nichts verstehen, wie die Kultur, versucht man auszuhungern. Die Schwächsten, wie die Asylanten, werden als Feindbild auserkoren, um sich mit den Appell an niedrigste Instinkte politisch zu überhöhen.

Kärnten ist ein politisch-moralisch verrottetes Land. Die derzeitige Politiker-Kaste führt nicht einmal mehr die Auseinandersetzung. Sie ignoriert die Entwicklung außerhalb des Landes, will Skandale wie den um die Parteienförderung einfach aussitzen und stellt sich tot gegenüber jeder Kritik. Wie lange noch werden sie schweigen?

Sie erreichen die Autorin unter
antonia.goessinger@kleinezeitung.at

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4 Gedanken zu „Aufschrei des Dichters und das Schweigen der Mehrheit“

  1. es ist ja nur die Spitze des Eisbergs – wenn man in das Land schaut müßten die Löwen schon lange kotzen – ihr Glück sie können es nicht. Endlich dass es jemand aufgreift aber ob es erfolgreich sein wird???
    Viel ERfolg bei der Aktion

  2. @dh
    Vielen Dank lieber dh!

    Ich hab’s endlich geschnallt: es ist an der Zeit (verzeih meine Wortwahl) den Arsch von der Couch zu heben und etwas gegen die herrschenden Zustände zu unternehmen.

    Der Auslöser war Deine Aussage „Endlich dass es jemand aufgreift aber ob es erfolgreich sein wird??? Viel Erfolg bei der Aktion“. Frei nach dem Motto: toll, ein anderer macht’s.

    Werde mich umgehend bei Georg Holzer melden und meine Mitarbeit in welcher Form auch immer anbieten.

  3. Endlich,endlich eine Plattform,wo ich mich über die „Demokratur“-ähnlichen Zustände in Kärnten äussern kann.
    Werde diese Plattform immer wieder nutzen.
    Einstweilen viel Erfolg!

  4. Lange genug hat die „Kleine Zeitung“ Haider „herbeigeschrieben“, wohl um das Land vom „System Wagner“ zu befreien.

    Es hat sich herausgestellt, dass die (vermeintliche) Medizin um vieles schlimmer ist, als die Krankheit, gegen die sie eingesetzt wurde.

    Wenn die „Kleine“ nun aufklären will – gut so!

    Allerdings muss sie dann auch standhaft bleiben, wenn Dörfler, Scheuch & co. mit dem Füllhorn der Landesinserate winken, locken, oder mit seinem Entzug drohen.

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